Das Malspiel im Malort

Hochwertige Farben, satte Pinsel und Menschen, die damit auf weißen großen Blättern, die an den Wänden des Raumes befestigt werden, farbige Spuren hinterlassen. Einmal wöchentlich treffen sich Malende hier, um zu spielen. Jeder, unabhängig von Alter oder Herkunft, ist hier gleich und wertvoll. Es gibt weder Begabte, noch Unfähige für das Malspiel.

Bei längerem regelmäßigem Malen im Malort wird die Persönlichkeit befreit von allem, was einschränkend ist, einengt oder Einfluss auf uns nimmt. Der Verstand tritt nach und nach in den Hintergrund und die Spontaneität beim Malen wird stärker.

   fb1   Durch die besonderen Bedingungen im Malort             
      kann die spontane natürliche Spur in uns    
      erwachen – in einem von Druck befreiten und
      schützenden Raum, durch die Gegenwart
      anderer SpielgefährtInnen und die Anwesenheit
      der dienenden Person die weder belehrt, noch
      EmpfängerIn für das Gemalte ist.

Beim Malspiel geht es ums Tun, den Moment und das Spiel. Das Endergebnis, die entstandene Spur, wird nicht als Kunstwerk bezeichnet und erfährt auch kein Lob oder andere Bewertungen. Die gemalten Blätter bleiben im Malort und verlassen diesen nie.

Um voll in das Malspiel einzutauchen, ist eine regelmäßige und dauerhafte Teilnahme (mindestens ein Jahr) wichtig. Daher gibt es keine einmaligen Mal- Stunden oder Schnupperangebote im Malort. Malende lösen sich meist erst allmählich von Angelerntem, sowie Vergleich, Bewertung und Deutung und finden ihren ureigenen Ausdruck. Dieses Ausfließen lassen von tief in uns Gespeichertem wurde lange Jahre von Arno Stern erforscht und trägt den Namen „die Formulation“.