Die Entstehung des Malorts

Arno Stern wurde 1924 in Kassel geboren. Nach seiner Flucht aus Deutschland arbeitete er ab 1946 in einem Heim für Kriegswaisen, wo er die Aufgabe hatte, die Kinder zu beschäftigen und er ließ sie malen. Das knapp vorhandene wurde genutzt – ein paar Bleistifte, Abfallpapier. Damals wusste er noch nichts von dem Wunder, das dadurch geschehen konnte. Er beobachtete die Begeisterung der Kinder und ihnen diese zu ermöglichen beglückte ihn sehr.

Quelle: André Stern
Quelle: André Stern

Nach Ende des Kriegs konnte er Temperafarben besorgen und den Kindern das Spiel mit Farbe und Pinsel anbieten. Anfangs in einem kleinen Zimmer auf dem Dachboden, später in einem geeigneteren Raum. Alles dafür Nötige ergab sich wie von selbst. Allmählich wurde nach größeren Blättern verlangt, die Tische wurden zu klein. Arno Stern befestigte dann die Blätter an den Wänden. Ein schmaler Tisch mit Farben stand nun in der Mitte des Raumes, zentral und für alle gut zugänglich. Die Fenster wurden mit Brettern verschlossen, damit noch mehr Platz für die Malenden war. Nun konnten sich die Bilder ausdehnen und bis zur Decke wachsen, in einem geschützten Raum, der Geborgenheit vermittelt, nichts von außen eindringen lässt und jedes Kind darin uneingeschränkt spielen kann.

Der Ursprung war geschaffen – der Malort mit dem Palettentisch und der dienenden Rolle im Malspiel. 1950 eröffnete Arno Stern den Malort in Paris, der bis heute besteht.

In den folgenden Jahren entdeckte Arno Stern, dass die Spur des Kindes nicht, wie allgemein behauptet, der Kunst angehört, da die Kinder mit dem Gemalten keine Botschaft vermitteln wollen und sich die Äußerung an keinen Empfänger richtet. Die Spuren die entstanden sind Bestandteil eines eigenständigen Gefüges, das Arno Stern aus den Bildern sozusagen „entgegen sprang“.  Durch die vorbehaltlose Beobachtung der malenden Kinder wurde ihm klar, dass es sich nicht um Phantasie handelt, und er sah, dass immer wieder die gleichen Dinge abgebildet wurden – ein Haus, ein Baum, eine Blume…. So begann seine Forschungsarbeit zur Spur und er entdeckte „die Formulation“.